„Mein Name ist Jakob Diener”
- Ich bin freiberuflicher Journalist aus Nordrhein-Westfalen in Deutschland.
- Ein Meisterwerk auf der Regnitz.
- Auf meinen Ausflügen und Recherchen zu historischen Bauwerken stoße ich immer wieder auf Orte, die nicht nur architektonisch beeindrucken, sondern auch tief greifende Geschichte geschrieben haben.
- Das Alte Rathaus im oberfränkischen Bamberg ist genauso ein Ort.
„Die Lage und Kulisse“
- Es steht auf der Oberen Brücke mitten im Flusslauf der Regnitz und verbindet als künstliche Insel die historische Bergstadt der Bischöfe mit der weltlichen Inselstadt der Bürger.
- Als ich mich näher mit dieser eindrucksvollen Kulisse beschäftigte, stellte ich fest, dass sich hinter der barocken Fassade weit mehr verbirgt als eine gewöhnliche Stadtverwaltung oder ein UNESCO-Weltkulturerbe.
„Die Legende der Inselgründung“
- Die Entstehung des Gebäudes liest sich wie eine Schalksgeschichte aus dem Mittelalter.
- Die Legende besagt, dass der damalige Fürstbischof den Bürgern schlichtweg keinen Boden für den Bau eines Rathauses abtreten wollte.
„Eichenpfähle und Architekturstil“
- Die Bamberger wussten sich jedoch zu helfen, rammten Hunderte von Eichenpfählen mitten in den reißenden Fluss und schufen so ihr eigenes Fundament genau auf der Grenze zwischen den beiden Machtbereichen.
- Nach einem verheerenden Brand im 15. Jahrhundert entstand der gotische Kernbau, der im 18. Jahrhundert unter der Leitung des Architekten Johann Jakob Michael Küchel im Barock- und Rokokostil umgestaltet wurde.
„Die Fassadenmalereien und Trompe-l’œil“
- Besonders die Fassadenmalereien von Johann Anwander ziehen jeden Betrachter in ihren Bann.
- Durch optische Illusionen und geschicktes Schattenspiel wirken die gemalten Säulen und Erker dreidimensional.
„Das faszinierende Putto-Bein“
- Ein liebevolles Detail fällt dabei sofort ins Auge:
- An der Ostseite ragt das skulptierte Bein einer Putte tatsächlich plastisch aus der Wand heraus und verstärkt diesen faszinierenden 3D-Effekt.
- An die südliche Seite des Brückenturms schmiegt sich zudem das malerische Rottmeister Häuschen, ein altes Fachwerkhaus, das einst den Führern der Wache als Unterkunft diente.
- „Eine besondere Bedeutung für Rettungssanitäter“
Für mich als gelernter Rettungssanitäter birgt das Gebäude jedoch eine ganz besondere Bedeutung, die weit über die beeindruckende Architektur hinausgeht. - Wer im Durchgang der Oberen Brücke unterwegs ist, entdeckt eine bronzene Gedenktafel, die auf ein historisches Ereignis hinweist.
„Die Schicksalsstunde im Rokokosaal“
- Im prunkvollen Rokokosaal im Obergeschoss des Rathauses kamen am 25. Januar 1921 die Vertreter von 26 Landesvereinen des Männer- und Frauenrotkreuzes zusammen.
- Bis zu diesem Zeitpunkt existierten in den einzelnen deutschen Bundesstaaten nur voneinander unabhängige Rotkreuz-Vereine.
„Die Geburtsstunde des DRK“
- Durch die Auflagen des Versailler Vertrags und die Vorgaben der neu gegründeten internationalen Liga der Rotkreuz-Gesellschaften war eine fundamentale Reform notwendig geworden.
- In Bamberg schlossen sich diese zersplitterten Strukturen schließlich zusammen und verabschiedeten die gemeinsame Satzung des Deutschen Roten Kreuzes.
„Meilenstein für das moderne Rettungswesen“
- Dieser historische Schulterschluss in Bamberg markiert die Geburtsstunde des modernen Rettungswesens in Deutschland, wie wir es heute kennen.
- Von diesem Moment an entwickelte sich die Organisation von der reinen militärischen Verwundetenpflege hin zu einem flächendeckenden, zivilen Rettungs- und Sanitätsdienst mit einheitlichen Standards in Ausbildung und Ausrüstung.
„Fazit und Würdigung“
Wenn ich heute das Alte Rathaus mit seinen prachtvollen Ausstellungen und der berühmten Porzellan Sammlung Ludwig betrachte, sehe ich nicht nur ein Meisterwerk der Baukunst, sondern vor allem die Wiege einer Organisation, die seit über einem Jahrhundert täglich Leben rettet.



